„Mr. Stratford, das ist NUR eine Party.“ – „und die Hölle ist NUR eine Sauna, hm?“ – 10 Dinge die ich an dir hasse (1999) „Ts, ts, ts, immer diese Väter und ihre Vorstellungen! Dabei sind wir Töchter doch sooo pflegeleicht!“

„Ist ja witzig, BeaBu! Du kennst mich also erst seit kurzem?! Dabei kenne ich dich bereits seit 7 Jahren!“ Ja, nee, ist klar! Wir sitzen bei Wein und Durak und reden, leicht angeheitert, über Gott und die Welt. Plötzlich haut der Kumpel meines Mannes so einen Spruch raus und fängt beim Anblick meines verdutzten Gesichtsausdrucks schallend an zu lachen. Der Typ verarscht mich doch! Wie sollte sowas überhaupt möglich sein? Ich würde es doch wohl wissen, wenn ich jemanden über ein halbes Jahrzehnt kennen würde. Als hätte er erraten, was mir gerade durch den Kopf geht, fährt er fort: „Nein, BeaBu, ganz im Ernst, ich verarsch dich nicht! Ich kenne dich bereits seit Jahren! Besser gesagt seit deiner Gartenparty!“ Und nun fange ich an zu lachen: „Ist nicht dein Ernst? Du warst auch da? Oh man, ich wusste damals schon, dass die es in sich hat, aber dass ich Jahre später, vielleicht auch irgendwann Jahrzehnte später, immer noch mit neuen Geschichten und neuen Menschen deshalb konfrontiert werde, hätte ich nie gedacht.“

Oh ja, meine Gartenparty wurde legendär und ich bereue nicht eine Sekunde dieses Geniestreichs

Im Gegensatz zu dem, was meine Eltern immer angenommen haben, war die Party wirklich so nicht geplant. Also sie war schon geplant und ich hatte die ganze Zeit auch alles im Griff. Nur wäre es überhaupt nicht dazu gekommen, wenn mein Vater nicht urplötzlich beschlossen hätte, zu sagen: „Wir fahren über das Wochenende nach Paris und ich will nicht, dass du, BeaBu, hier irgendeine Party im Haus feierst!“ „Schon klar, Paps, aber ich hab schon mit Mama besprochen, dass A-Hörnchen und B-Hörnchen am Samstag vorbeikommen. Nichts Großes, nur die beiden und eine Flasche Wein und etwas Käse!“ „NEIN, DAS ERLAUBE ICH NICHT!“ donnerte es aus heiterem Himmel aus ihm raus. Wieso und warum konnte er mir nicht erklären. Er wollte es einfach nicht. Ich hätte es nachvollziehen können, hätte er mir auch nur irgendeinen Hinweis auf das wieso gegeben. Aber anscheinend ging es hier um irgendein Prinzip, was mir entgangen war. Denn eigentlich hätte nichts dagegen sprechen dürfen. A-Hörnchen und B-Hörnchen waren schon öfter da gewesen und wir waren auch ziemlich vernünftig, schließlich waren wir mittlerweile alle volljährig, kurz vor unserem Schulabschluss und nach dem Sommer wollte ich sogar ausziehen. Ich hatte in diesem Haus schon so viele erlaubte und nicht erlaubte Partys gehabt, dass es mir eigentlich für den Rest meines Lebens gereicht hätte.
Aber es war Sommeranfang und A-Hörnchen und B-Hörnchen wussten schon seit Wochen, dass meine Eltern das kommende Wochenende nicht da sein werden und wie gesagt: Wir freuten uns darauf, es uns mit einer Flasche Wein auf der Terrasse im Garten gemütlich zu machen. Es war auch von meiner Mutter abgesegnet. „Ist mir egal was Mama gesagt hat. ICH sage: Keine Party im Haus, BeaBu!“ „Aber das ist doch keine Party, Papa! Es sind doch nur…!“ „Keine Party im Haus!“ unterbricht er mich wie ein Papagei. Mit zusammengekniffenen Augen schau ich ihn an, mir ist gerade eine interessante Kleinigkeit aufgefallen und ich brauche die Bestätigung: „Du bist dir sicher Paps: Keine Party im HAUS?!“ und ich fange an zu beten, dass er seinen Fehler nicht doch noch bemerkt, wo ich ihn gerade so heftig darauf aufmerksam mache. Und er wiederholt ganz langsam, als wäre ich schwachsinnig: „KEINE!“ (ja, ich verstehe) PARTY!“ (oh, bitte bitte sprich weiter) „IM!“ (JACKPOT) „HAUS!“ (und jetzt aber bitte nicht weiter reden) und er hört tatsächlich auf. Ich versuche, ein Lächeln zu unterdrücken. „Ich hab verstanden! Mach dir keine Sorgen, es wird keine Party im Haus geben!“
Keine Minute später war folgende SMS an A-Hörnchen und B-Hörnchen raus: „Sorry, Planänderung! Gemütlich ist doch nicht! Stattdessen Big Party bei mir im Garten! Sagt es allen, die ihr kennt: Jeder kann mitbringen, wen er will! Nur es gibt 3 Regeln: 1. Keiner darf ins Haus, außer zum Pipi machen! 2. Es wird nichts kaputt gemacht und 3. Es wird nicht gekotzt! Wer dagegen verstößt, fliegt sofort! LG“ und die nächste ging direkt an einen anderen guten Freund hinterher: „Hey Großer, ich brauch dich und dein Auto am Freitag für nen Einkauf im Großmarkt! Samstag, Big Party bei mir im Garten! Sag allen Bescheid! Details gibt’s später! CU“
Aber wie kauft man für eine Party ein, bei der man nicht weiß ob es 2 oder 200 Leute geben wird? Im Großmarkt entschieden wir uns für einen Grundstock aus 8 Kästen Bier, 12L Vodka, 9 Sixer Cola, 50 Bratwürstchen, 6 Pakete Pommes, einen 2L-Eimer Mayo, einen 2L-Eimer Ketchup und einen 1L-Eimer Senf, dazu 3 große Säcke Grillkohle und 1 extra Sixpack Bier, um die Haushaltshilfe zu bestechen, am nächsten Tag alles aufzuräumen und nichts meinen Eltern zu verraten.

Und dann wurde es auch schon Zeit für die Party

Meine ursprüngliche Befürchtung, dass ich zum Schluss mit den üblichen Verdächtigen auf meinem Grundstock sitzen bleiben würde, bewahrheitete sich nicht, als sich nach und nach mein Garten mit bekannten und unbekannten Gesichtern füllte. Es hatte sich rumgesprochen, dass es eine reine Gartenparty wird und alle ankommenden Gäste kamen direkt durchs Gartentor herein. Alle wurden direkt mit meinen 3 Regeln indoktriniert und zu meiner Freude hielten sich auch alle strikt daran. Irgendwann waren wir so viele, dass ich allerdings den Überblick verlor, wer alles da war, aber solange alles friedlich war und alle Spaß hatten (und meine 3 Regeln beachteten), war mir das auch schlichtweg egal! Alles war super, bis sich um 2 Uhr in der Früh ein feuchtfröhliches Grüppchen auf den Heimweg machte und an der nächsten Straßenecke irgendein Tumult losbrach. Ich weiß bis heute nicht genau, was da passiert war, aber plötzlich hieß es, die Polizei wurde zur Straßenecke gerufen. Binnen fünf Minuten hatte ich daraufhin die Party aufgelöst. Bis die Polizei an der Straßenecke ankam, war bei uns schon tote Hose. Mein jetziger Schwager war damals so geistesgegenwärtig und stellte sich direkt vor unser Haus, damit die Polizei auch ja nicht die Überreste der Party erblicken konnte und erklärte den herannahenden Polizisten, wir wüssten gar nicht, was da los war, wir hätten bei uns nur nett gegrillt und er wolle einfach auch nur kurz schauen, was da wohl passiert ist! Alles ganz friedlich!
Am nächsten Tag stellten wir den Garten wieder auf Werkseinstellung zurück, wir beseitigten also zusammen mit der bestochenen Haushaltshilfe alle Beweise und als meine Eltern am Montag wiederkamen, war von der Party nichts mehr zu sehen. Wieder sagte mein Vater: „Na BeaBu, ich hoffe du hattest keine Party im Haus!“ Ich musste nicht mal lügen: „Aber natürlich gab es keine Party im HAUS, Paps!“ Und das wäre das perfekte Ende der Geschichte gewesen. Aber…

Wenn da nicht noch die netten Nachbarn wären

Zwei Wochen später kommt mein Vater am Sonntag Morgen brüllend vom Brötchen holen wieder: „BEABU!!!! BIST DU DENN DES WAHNSINNS?! SOGAR DIE POLIZEI WAR DA! DU HAST MICH ANGELOGEN! DU HAST GESAGT, ES GAB KEINE PARTY IM HAUS!“ „Ähmmm Papa, es gab keine Party im Haus!“ „WILLST DU SAGEN, DER NACHBAR LÜGT???“ Oh Mist, der blöde geschwätzige Nachbar, dem war es bestimmt eine besondere Freude, meinem Vater dies unter die Nase zu reiben. So eine miese Petze, wieso mussten sie sich auch unbedingt beim Brötchen holen über den Weg laufen? „Nein Paps! Der Nachbar lügt nicht! Aber es gab keine Party im HAUS! Es war eine reine GARTENPARTY! Kein Mensch war im Haus, außer zum Pipi machen! Es ist nichts kaputt gegangen! Es ist alles sauber und die Polizei war auch nicht wegen uns da!“ Naja nicht direkt, aber das sollte ich ihm vielleicht nicht gerade jetzt auf die Nase binden. Meinem Vater steht vor Wut der Schnurrbart zu Berge und mit zusammengekniffenen Augen fällt ihm nichts zu erwidern ein! Schnaubend und wortlos holte er die Brötchen raus und wir setzten uns zum Frühstück hin.

P.S.: Ich hoffe, meine zukünftigen Kinder werden diese Geschichte niemals lesen. (Hahaha)

À bientôt

Eure BeaBu

3 Gedanken zu „„Mr. Stratford, das ist NUR eine Party.“ – „und die Hölle ist NUR eine Sauna, hm?“ – 10 Dinge die ich an dir hasse (1999) „Ts, ts, ts, immer diese Väter und ihre Vorstellungen! Dabei sind wir Töchter doch sooo pflegeleicht!“

  1. Vicy sagt:

    AHAHAHAHAHAHANEJDHSKWMDKSJ ich sterbe hier grad vor Lachen, mitten unter Menschen!! Habe natürlich damals viele Legenden von der Party gehört.

    • BeaBu sagt:

      Dann warst du leider eine der wenigen, die sie verpasst haben? Ich hab halt wirklich den Überblick verloren wer da war und wer nicht! Es waren halt viel zu viele, hahahaha. Aber du hast echt was verpasst, wirklich schade!

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