„Mir ist egal, wie reich er ist! Hauptsache, er hat seine eigene Yacht, seinen privaten Eisenbahnwagen – und seine eigene Zahnpasta.“ – Manche mögen’s heiß, (1959) „Na, wenn’s weiter nichts ist!“

„Ich geh unter die Blogger! Ich will es aber anders machen als alle Blogs, die ich bisher zu solchen Themen gelesen habe! Die zielen entweder auf nutzlose Belehrungen ab oder fahren die totale Mitleidstour und drücken dabei voll auf die Tränendrüse! Ich will etwas gestalten, das witzig ist und zeigt: Hey, eigentlich kann das jedem passieren, es ist nur zusätzlich tragikomisch in BeaBu’s Fall!“ – „Aber BeaBu, so sehen wir dich doch auch! Ich meine, so bist du ja auch! Du hast noch nie Mitleid gebraucht!“ Das Kompliment geht runter wie Öl, aber ehrlich gesagt, das ist die Haupteigenschaft, nach der ich meine Freunde auswähle. Die Eigenschaften, dass sie intelligent und humorvoll sind, ein großes Herz haben und vor allem, dass sie gänzlich blind für meine körperlichen Defizite sind, obwohl sie selber völlig gesund sind und den Unterschied sehen müssten, was sie 100 %-ig auch tun, aber eben null beachten. Jedenfalls begann so die Unterhaltung mit einer meiner besten Freundinnen, als ich ihr letztens meine neueste Idee eröffnet habe. „Wie kommst du jetzt darauf, BeaBu?“ –  „Naja sagen wir es doch mal so: Ich lebe seit meinem 12. Lebensjahr mit einer der aggressivsten Formen von Rheuma, die jemals registriert wurden und jeder, den ich kenne oder neu kennenlerne, ist begeistert von meinen Geschichten und das, obwohl es sich für mich eher so anfühlt wie ein andauernder Plan B“, schmunzle ich sie an. Bitte nicht falsch verstehen: Ich liebe mein Plan B Leben! Jedoch wäre es manchmal auch sehr wünschenswert, wenn mal ein Plan A klappen würde, vom ursprünglichen Plan A mal ganz abgesehen, der lautete nämlich: „Mein Haus! Mein Auto! Mein Pferd!“ oder übersetzt: „Mein super-reicher-Ehemann!“ (Natürlich nur aus demselben Kulturkreis, denn wer will schon jemand anderem seine Welt erklären müssen?) „Mein super-prestigeträchtiger-Beruf!“ (Natürlich nur Arzt oder Anwalt, denn mal ehrlich, gibt es überhaupt andere Berufe?) „Meine 3 super-wohlerzogenen-Kinder!“ (Natürlich alle nur bis zum 30. Lebensjahr bekommen, denn wer wird danach noch Windeln wechseln wollen?) Und ganz konkret: ich wusste schon mit 10, wie meine Hochzeit aussehen wird, mit 14 wusste ich: dass ich unbedingt Medizin studieren will (Fachärztin: Psychiatrie) und mit 19 habe ich Medikamente verweigert, die zu Fötus-Schädigungen führen können, weil ich bis 30 meine Kinderplanung abgeschlossen haben wollte (dabei war ich damals Single und die Medikamente hätte man 3 Jahre vor der Schwangerschaft absetzen können). „BeaBu, gerade du musst doch wissen, dass es immer einen Plan B gibt!“ Na klar weiß ich das! Aber ich musste es mühselig lernen, dass für mich anscheinend immer nur die Alternative im Leben zu meinem Glück führt! Nachdem ich 4 Jahre meiner Jugendzeit an den Rollstuhl gefesselt verbrachte, brauchte ich fast 10 Operationen, um wieder laufen lernen zu dürfen (bis dato sind es schon über 20 OPs, nur zum weiteren Erhalt dieser eigentlichen Selbstverständlichkeit „laufen“). Und nachdem ich einige gruselige Weltansichten von Männern aus meinem Kulturkreis mitbekommen habe, bin ich der Liebe meines Lebens schon zu Abiturzeiten im Musik -Leistungskurs begegnet, jedoch brauchte ich eine Weile, um mir einzugestehen, dass meine große Liebe ein wundervoller Mann ganz ohne selbigen Migrationshintergrund sein kann. Mein Abitur wurde, nach unzähligen erfolglosen Jahren des Versuchens, „nur“ durch ein Fachabitur ersetzt. Das Medizinstudium wich damit unmittelbar meinem Diplom als Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin. Tja und das Thema Kinder ist so eine Sache für sich, sagen wir es mal so: mittlerweile bin ich 33, ohne Kinder, dafür aber mit einem Kater, den ich nicht davon abbringen kann, auf dem Esstisch zu schlafen und einem Welpen, dem ich fast geschafft habe beizubringen, weder drin noch draußen ihr „Geschäft“ zu machen. Als sie sich dann letztlich um zwölf Uhr nachts in der Küche entleerte, bin ich vor Freude fast geplatzt, dass sie nicht geplatzt ist.

„Aber BeaBu, du meisterst dein Leben bei weitem besser als die meisten anderen meiner Bekannten in unserem Alter! Die wünschten, sie wären bereits so weit wie du!“ Interessante Neuigkeit: ich krieg doch was hin! Wobei ich der Aussage meiner Freundin auch nur zum Teil zustimme! Die besagten „meisten anderen“ sind Anfang 30, Single oder beinahe wieder Single, gerade fertig mit dem Studium oder gerade am Beenden, gerade zwischen zwei Jobs oder unglücklich mit der Arbeitsstelle und im Grunde haben sie alle eines gemeinsam: Nie über den jetzigen Lebensabschnitt hinaus zu planen. Zu Schulzeiten war das „Jetzt“ wichtig. Zu Ausbildungszeiten/Studium war das „Jetzt“ wichtig. Bei Karrierebeginn war das „Jetzt“ wichtig und plötzlich ist man 30 und es fällt einem ein, man hätte seine Prioritäten vielleicht doch lieber mit ein wenig mehr Weitblick setzen sollen. Als ob es immer heißen würde: entweder/oder! Ich kenne sogar jemanden, der mittlerweile um die 60 ist und so ein Leben bevorzugt. Er scheint dabei auch glücklich zu sein. Jeder wie er will, ich urteile nicht!

Jedoch, wenn ich von meinem Plan A rede, meine ich Menschen, die genau wie ich von vornherein versucht haben, alles parallel zu vereinbaren. Das ist auch machbar, denn ich kenne tatsächlich eine ganze Menge Menschen, die meinen Plan A genau so umgesetzt haben. Zugegeben, die meisten davon sind aus meinem Kulturkreis, jedoch bei weitem nicht alle! Und ob glücklich oder nicht, können und sollen nur sie selbst beurteilen. Jedoch sieht das Gras vom Garten des Einfamilienhauses-im-Nobelbezirk, auf dem die 2–3 Kinder von Herr und Frau Dr. (mit Anfang 30) harmonisch spielen, schon wesentlich grüner aus, als das Gras auf dem Bordstein vor der überteuerten 2-Zimmer-Wg-Altbauwohnung-im-Scheißbezirk von meiner Wiedermal-Single-Freundin.

Und so kommt es, dass, je nachdem in welche Richtung meiner Generation ich schaue, die Einen meinen Plan A leben und die Anderen meinen Plan B erstreben! Und dann gibt es noch diese wundervolle Handvoll kreativer, chaotischer, intelligenter Menschen in meinem Leben, die hoffentlich immer einen erfolgreichen Plan B in petto haben!

À bientôt

Eure BeaBu

 

 

 

Ein Gedanke zu „„Mir ist egal, wie reich er ist! Hauptsache, er hat seine eigene Yacht, seinen privaten Eisenbahnwagen – und seine eigene Zahnpasta.“ – Manche mögen’s heiß, (1959) „Na, wenn’s weiter nichts ist!“

  1. Sophie sagt:

    Wow! Cool. Herzlichen Glückwunsch zu deinem Blog! Der Artikel ist sehr schön geschrieben und erinnert mich an meine Wahrnehmung damals von dir! In meinen Augen gab es deine Krankheit zwar, ich habe ihr nie den Wert beigemessen den es vielleicht andere tun, wenn sie dich zum ersten Mal wahrnehmen, weil du immer gezeigt hast, das du alles kannst! Und weil dein Charakter zählt. Wir hatten gute und tiefe Gespräche vor der Schultür ;).
    Ich freue mich auf weitere Geschichten von dir!
    Sonne, Sophie

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